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 the story of us

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Rubina Harper

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BeitragThema: the story of us   Mo Okt 08, 2018 8:37 pm

„Du hast es wirklich getan?“
„Ja.“
„Es war niemand drittes in der Wohnung?“
„Nein, nur sie und ich.“
Kurzes Schweigen. Musternde Blicke von der einen Seite.
Gelangweilter Blick aus der Gegenrichtung zurück.
Ein leises Seufzen.
„Wieso hast du es getan?“
„Ist das nicht offensichtlich?“
Füße wippen, Papier raschelt. Wieder dieses Seufzen – zweimal.
Eines genervt, das andere leise und fast verzweifelt.
„Sie waren deine Eltern.“
„Nein.“
12-jährige Hände ballten sich zu Fäusten. Die Stimme – kalt, voller Hass.
„Sie waren Monster.“
„Waren sie das wirklich?“
„Sie haben es verdient zu sterben!“
Ein trauriger Blick, ein leichtes Nicken.
„Du kannst nun auf dein Zimmer gehen Rubin.“
Er stand auf. Das erste Mal, dass das 'A' am Ende weg fiel.
Vielleicht könnte es ihm hier gefallen. Diesen Ort den sie 'Die erfundene Wirklichkeit nannten'.

*~*~*~*~*~*

Sie sahen sich nur ein. Ein Kampf, ausgetragen mit Blicken.
So vertraut. Seit vier Jahren täglich das gleiche Spiel.
Ein leises Seufzen glitt dem jungen Therapeuten über seine Lippen, als er seine Lesebrille absetzte und mit dem Daumen, sowie Zeigefinger, seiner rechten Hand seinen Nasenrücken massierte. Müde. So konnte man seinen Zustand am Besten beschreiben. Müde von täglichen Gesprächen die zu nichts zu führen schienen – seit vier Jahren. Er wusste, ahnte, dass viele seiner Kollegen schon längst das Handtuch geschmissen hätten. Und sein kleiner Problemfall schien auch so, als würde er sich niemals helfen lassen. Aber noch gab er die Hoffnung nicht auf. Ein Trauma von zwölf Jahren ließ sich eben nicht so einfach ausradieren. Dies hatte der mittlerweile 16-jährige Jugendliche ihm gegenüber heute mal wieder mehr als gut bewiesen.


Rubins Blick glitt auf seinem Therapeuten. Mr. Simmons. Oder 'Ted' wie er ihm mittlerweile angeboten hatte. In der Hoffnung, so vielleicht ein Band zueinander aufzubauen. Totaler Schwachsinn wenn man den Rothaarigen fragte, aber wen kümmerte seine Aussage hier schon.
„Mr. Simmons?“
Ein erneutes Seufzen. Grund: Er hatte wieder das Ted verweigert.
Ist das wirklich das, was dich stört? Mistkerl!, schoss es ihm nur durch den Kopf. Seit gut zehn Minuten saß er nun in Teds Büro. Er hatte sich auf seinem Stuhl etwas tiefer sinken lassen. Die Arme vor der Brust verschränkt und das Kinn leicht trotzig angehoben. Blaue Augen funkelten; vor Wut und Unzufriedenheit. Dieser ganze Tag passte dem 16-Jährigen so rein gar nicht in den Kram. Nicht, dass andere Tage wirklich besser waren, aber man hatte ihn heute dazu verdammt mit Plastikbesteck zu essen. PLASTICKBESTECK – ging es sonst ein jedem in dieser verfickten Klinik noch gut?!
„Ja?“
„Ich will keine Plastikgabel oder einen Löffel der ebenfalls aus Plastik besteht!“
„Da musst du jetzt durch. Tut mir leid – du wirst kein richtiges Besteck mehr bekommen. Erst recht kein Messer.“
„Das in der Cafeteria war ja wirklich nun nicht meine Schuld!“
„Rubin-“
„Was kann ich denn dafür, wenn dieser Typ mich bei dem einen Namen nennt? Eigene Verantwortung.“
Ein demonstratives Schulterzucken unterstrich die besagten Worte. Damit hatte er seinen Standpunkt klar gemacht. Nein, er sah bei sich keine Schuld. Dieser neue Pfleger hatte ihn 'Rubina' genannt. Da war nun einmal die Konsequenz das Messer in der Brust stecken zu haben, ganz einfach. Na gut, nachdem er das eine oder andere Mal zuvor noch zugestochen hatte. Dennoch selber schuld. Hätte ja auch einen den verdammten Mund halten können.

Ted betrachtete seinen kleinen Problemfall. Für heute konnte er vergessen an Rubins Verstand zu appellieren, denn dieser hatte auf stur gestellt. Mehr, als sonst schon. Aber er würde ihn nicht aufgeben. Irgendwann und irgendwie würde es schon werden.
Ganz gewiss.

*~*~*~*~*~*

Ein kurzer Blickkontakt. Flüchtig.
Nichts besonders. Nichts weltbewegendes. Etwas, was er jeden Tag erlebte.
Dennoch blieb Rubin wie eingefroren neben der Person stehen.
Blaue Augen sahen ihn an. Zurückhaltend, dennoch neugierig.
Mit einem Mal war sein Kopf wie leer gefegt. Wo hatte er hin gewollt? Keine Ahnung. Welcher Tag war heute? Längst vergessen. In diesem Moment richtete sich sein ganzer Fokus auf die blauen Augen des anderen jungen Mannes, welcher ebenfalls stehen geblieben war und mit einer gewissen Zurückhaltung, gepaart mit Neugier, den Rothaarigen ebenfalls in Augenschein nahm. Keiner von ihnen sagte ein Wort. Für einen Moment schien es so als würde die Welt still stehen. Nur einen klitzekleinen Augenblick.

Was ist das hier für ein verfickter Mist?!
Rubin riss sich los und setzte einen Fuß nach vorne um den Raum zu verlassen. Wie er es eigentlich geplant hatte. Ja, dies hatte er vorgehabt.
In genau diesem Moment drang die Stimme an seine Ohren.
„Ich bin Castiel.“
Boom. Boom.
Wieder blieb er stehen.
Boom. Boom.
Langsam drehte er sich um. Blickkontakt für einen kurzen Augenblick.
„Rubin.“
Mehr sagte er nicht. Drehte sich nur um und ließ den Anderen hinter sich zurück. Auch wenn es nicht so merken musste, hatte der Neuling schon seine Spuren in ihm hinterlassen. Mit seinem Blick, seiner Stimme. Sein Name hallte im Hinterkopf durch Rubins Gedanken. Er blendete es aus. Doch es war da. Castiel. So hieß dieser junge Mann. Ja, er war neu, denn ihn hätte Rubin in den letzten Jahren nicht übersehen.
Schwarze Haare, blaue Augen.
Castiel.
Rubin wusste es nicht, aber diese kurze Begegnung würde sein komplettes Leben vollkommen verändern. Denn alleine mit seinem Auftauchen hatte Castiel die gesamte Welt des mittlerweile 17-Jährigen ins Rollen gebracht.


*~*~*~*~*~*

Wann verdammt noch einmal war das alles passiert?! Wie war es vor allem passiert? Eine Frage, die er nicht beantworten konnte. Weder damals, direkt nach dieser Veränderung, noch heute – gute sechs Jahre später. Irgendwie hatte sich Castiel in sein Leben geschlichen. Aus flüchtigen Bekannten wurde so irgendetwas wie Art Freunde mit gewissen Vorzügen, ehe sie dann zu dem Ergebnis kamen, welches sie heute noch sind und was im Volksmund gut und gerne Beziehung genannt wird. Rubin verzog leicht das Gesicht. Er mochte dieses Wort nicht, ganz und gar nicht. Dennoch konnte er es nicht direkt leugnen, dass er sich in einer befand. Mit keinem geringeren eben, als diesem jungen Mann, der ihm damals einfach so über den Weg gelaufen ist. Ganz zufällig. Und der neben ihm nun im Bett lag und seelenruhig schlief.
Rubin richtete sich etwas auf; behutsam, wollte er den Jüngeren nicht wecken. Sie lagen bei Castiel im Bett. Nach einer Runde intensiven heißen Sex waren sie noch beieinander geblieben. Wie meistens. Auch nach sechs Jahren war es für den Rotschopf immer noch ungewohnt, diese Nähe zuzulassen. Nicht die Nähe, während sei einander schier mit der Lust und Verlangen in den Wahnsinn trieben. Sondern dann, wenn Castiel seinen Kopf dann auf seine Brust legte und sie...kuschelten. Langsam schüttelte er den Kopf. Er hatte irgendwann aufgehört es zu hinterfragen, brachte es doch sowieso nichts. Dieser Kerl da neben ihm hatte seine Welt in einen Ausnahmezustand versetzt. Denn genau das war der Dunkelhaarige: Seine verfickte Ausnahme. Nur deswegen blieb er ihm treu und war mit ihm zusammen.
Und irgendetwas in Rubin wusste – und hoffte? -, dass es auch immer so sein würde. Denn auch, wenn er es niemals so zugeben würde: Seit Castiel hier ebenfalls in die Klapse eingeliefert wurde und ihre Wege sich kreuzten, hatte das Leben für ihn einen Sinn.
Zum allerersten Mal.


*~*~*~*~*~*

Rubins Herz schlug ihm bis zum Hals. Der kleine Koffer in seiner Hand fühlte sich an, als würde er Tonnen wiegen. Misstrauisch ließ er seinen Blick durch den Flur der kleinen Zwei-Zimmerwohnung wandern, ehe er dann an den beiden Menschen hängen blieb, die mit ihm zusammen hier waren. Einer von ihnen beiden war Ted. Der Mann, der ihn seit seinem zwölften Lebensjahr für ihn verantwortlich gewesen war und den Rubin zum aller ersten Mal nun so etwas wie Lächeln sah. Ein Lächeln, was er nicht erwiderte, sondern nur leicht das Gesicht verzog, ehe er seine Aufmerksamkeit auf die letzte anwesende Person richtete: Castiel. Dieser strahlte von innen heraus und spiegelte damit die Emotionen wieder, die auch in Rubin hausten, welche der Ältere aber nicht zeigen wollte. Diese Wohnung gehörte ihnen – ihnen beiden. Heute war das passiert, womit Rubin niemals gerechnet hatte...man hatte sie entlassen. Alle beide. Wenn auch zumindest was ihn selber anging auf Bewährung. Ted hatte ihm erklärt, dass er die kleine Fußfessel noch eine Weile tragen würde und er so alle zwei Tage zu Besuch kommen würde um den Stand der Dinge zu überprüfen. Solange, bis Rubin nicht richtig in die Gesellschaft wieder eingegliedert wurde und noch nicht zu hundert Prozent feststand, dass dies alles richtig war, würde der Therapeut noch an seiner Seite sein. Nervig. Was Castiel anging sah das alles schon ganz anders aus. Dem Jüngeren hatte man in den letzten zwei Jahren die Chance gegeben seine Abschluss nachzuholen, sodass er sich an einer Universität hatte bewerben können um seinen Traum zu verfolgen Astronom zu werden. Sie beide waren wirklich...frei. Ted räusperte sich.
„Ihr beide kommt jetzt zurecht?“
Rubin nickte knapp, doch Castiel schenkte dem anderen Erwachsenen ein erleichtertes, glückliches Lächeln.
„Sie haben uns ja alles gezeigt, Mr. Simmons. Vielen Dank für Ihre Hilfe.“
„Keine Ursache. Meine Nummer hängt an der Pinnwand in der Küche, falls ihr was braucht. Ansonsten sehen wir uns in zwei Tagen.“
Und damit war Ted verschwunden.
Und sie beide alleine.
Rubin spürte im nächsten Moment wie Castiel seine Arme um ihn schlang und das vertraute Lachen an eine Ohren dran.
„Das ist unsere Wohnung, Rubin! Ist das zu glauben?!“
Ein kurzer Kuss, den der 29-Jährige gerade so erwidern konnte, ehe der Andere dann auch schon in einem der angrenzenden Zimmer verschwunden war. Er selber blieb einen Moment noch im Flur stehen und ließ seinen Blick zu seiner Hand wandern, an welcher am Ringfinger ein kleiner silberner Ring thronte.
Ein Jahr. Auf den Tag genau waren sie ein Jahr verheiratet.
Rubin Alvarez.
Dies war nun sein Name. Und würde es immer sein.
Langsam breitete sich ein kleines Grinsen auf seine Lippen aus.
Ja, sie waren frei – und sie waren zusammen. Für immer.
Sein Grinsen wurde immer breiter als er seinem Ehemann nun in das Zimmer folgte. Ihr gemeinsames Schlafzimmer.
Denn wie konnte man die Wohnung nicht besser einweihen, als die Hochzeitsnacht ein Jahr später zu wiederholen...?

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